Startseite » Beruf

Schlagwort: Beruf

Ganz von vorne

Ich beende hiermit die Sommerpause auf diesem Blog. Ok, sie war so eigentlich nicht geplant, aber so ist es eben manchmal. Der Urlaub ist vorbei, er war schön, aber leider ist er furchtbar schnell zu einer schönen Erinnerung geworden. Wir kamen Sonntag abend zurück, einen Tag vor Schulbeginn. Noch nicht mal Zeit, Koffer auszupacken bevor der Alltag wieder losging.

Womit ich zum Thema komme. Ich gehe wieder auf Jobsuche. Fange wieder ganz von vorne an. Im letzten Jahr wurde ich aus einem Job, der eigentlich mein Traumjob hätte sein können, in der Probezeit gekündigt. Leider hatte mir kurz nach Jobbeginn das private Leben wieder mal einen Tiefschlag verpasst, ich war deswegen einfach nicht mehr belastbar. Steckte in Angst und Sorge fest. Dann kam die Kündigung und noch mehr Angst. Aber auch gleichzeitig das Gefühl: “Jetzt ist Schluss, so geht es nicht weiter.” Eine Tür war zugefallen, kein zurück mehr. Nach vorne schauen, mich endlich ernst nehmen, nicht mehr dümpeln. Es dauerte ein paar Monate, bis die Kraft wieder da war. Dann der nächste Tiefschlag, die Erkrankung eines Familienmitglieds, glimpflich ausgegangen, aber dennoch. Wieder Kraft sammeln, endlich spüren, wie sehr Angst bisher mein Leben geprägt hat, nicht nur in Krisenzeiten. Der Urlaub verschafft endlich ausreichend Ruhe und Entspannung. Jetzt kann es wieder losgehen.

Ich habe schon vor den Ferien ein Coaching begonnen. Die Schwächen in meinem Lebenslauf wurden sofort deutlich, ich habe das Gespür dafür verloren, was ich alles kann, was ich mal gelernt habe. Zum Glück ist da noch was, das Gefühl der Entmutigung schwindet. Deutlich wird das in einer Übung, an der ich immer noch sitze, als Hausaufgabe zwischen den Terminen: Aufschreiben, aus welchen Tätigkeiten meine Jobs bestanden, welche Kompetenzen sie erforderten, was davon ich wie gerne und wie gut machte. Es ist ein bisschen mühsam, das Auflisten, aber sehr hilfreich. Nächsten Dienstag habe ich wieder einen Termin, dann will ich fertig sein.

Und um mich selbst zu verpflichten, jetzt auch wirklich loszulegen werde ich hier darüber bloggen. Über meine Schritte in einen neuen Job.

Nach der Meditation

Ich habe gerade meditiert. 15 Minuten, immerhin. Manchmal geht es auch länger, ich setze mir da kein Limit. Ich habe mir vorgenommen, ein Jahr lang täglich zu meditieren. Ja, das ist lang. Aber ich bin sicher, dass es mir gut tun wird. Tut es ja jetzt schon, nach den paar Wochen, seit ich das Meditieren für mich (wieder-)entdeckt habe. Beim Meditieren sitze ich auf einem Hocker, damit der Rücken frei ist und ich mich gut aufrichten kann. Ich habe es auch auf einem Meditationskissen probiert, aber da geht zu viel Aufmerksamkeit an meine einschlafenden Beine verloren und so richtig bequem kann ich weder im Schneidersitz noch im Knien sitzen. Ich schließe die Augen, lege die Hände auf den Oberschenkeln ab, lasse meinen Körper zur Ruhe kommen, beobachte meinen Atem. Beobachte mich selbst, wie ich mich fühle, was ich denke. Nur beobachten, nichts festhalten. Manchmal sind auch Sätze in meinem Kopf, die ich dann immer wieder wiederhole. Das mache ich so lange, wie ich diesen Zustand halten kann. Dann öffne ich die Augen und bleibe noch einen Moment sitzen.

Es ist auch etwas egoistisches an der Meditation, sich so ganz in sich zurück zu ziehen, die Umwelt auszublenden. Aber sie ist etwas, das mir schnell Ruhe verschafft, etwas, für das ich jeden Tag Zeit abzwacken kann und wenn es nur 15 Minuten sind. Die habe ich immer irgendwann am Tag zur Verfügung. Ich habe jetzt schon das Gefühl, fokussierter zu sein, irgendwie geordneter, nicht mehr so sprunghaft. Das tut mir gut. Und damit auch den anderen um mich rum.

Meditation ist also etwas, das ich auf jeden Fall in meinem Leben behalten will.

Ansonsten beschäftigt mich das eigentlich sehr alte Thema: Ich wollte nie das, was alle wollen, aber habe mich nie getraut dazu zu stehen. In der Schule habe ich mir selbst Hosen genäht, bunte Dinger aus einem einfachen Schnitt. Ich wollte weder Popper noch Punk sein. Ich habe mich nie für das typische Mädchen-Sein interessiert, ich bin noch nie gern shoppen gegangen, Makeup interessiert mich bis heute nicht genau wie diese typischen Teenie-Gespräche. Heute kann ich mit den typischen Müttergespräche nichts anfangen. OK, bei der Musik war ich Mainstream, George Michael mein erster Schwarm und von Wham! kannte ich alle Lieder auswendig. Aber dann habe ich wiederum schon mit elf “1984” von George Orwell gelesen, das war übrigens wirklich im Jahr 1984. Später dann der Mädchentreff, der Feminismus in Form der Bücher von Gerd Brantenberg (das ist eine Frau!) und Rita Mae Brown. Aber da gab es auch schon zwei parallele Welten, ich hätte in der Schule nie, nie, nie davon erzählt.

Ich fand die Schule insgesamt oberflächlich, wie auch das Studium später. Ein häufiger Satz in der Oberstufe war: “Ich gebe Ihnen mal 12 Punkte, aber ich glaube, da wäre noch mehr drin!” Ich bin durch die Schule und auch durch weite Teile des Studiums gekommen, ohne mehr als das Allernötigste zu tun. Erst für die Diplomarbeit und das Examen habe ich mich auf den Hosenboden gesetzt. Habe mich das erste Mal gefordert gefühlt. In meinen Jobs danach dann wieder nicht mehr.

Und in der ganzen Zeit war da nie Raum für die Frage: “Was will ich?”

Ich wüsste auch nicht, dass mich das mal jemand anderes gefragt hätte. In der Oberstufe waren wir beim Berufsinformationszentrum, aber da kam auch nichts bei rum. Zwischenzeitlich fand ich Musikinstrumentenbau spannend, in den Jahren davor auch Tontechnik und Kamerafrau. Alles Ausbildungsberufe, alle sowohl technisch als auch kreativ. Die Kombination, die mich eigentlich bis heute am meisten interessiert. Auch beim Bloggen übrigens. Studiert habe ich dann was sozialwissenschaftliches. Finde den Fehler! Nein, ich fand mein Studium spannend. Und eine kurze Zeit hatte ich geglaubt, mit dem E-Learning mein Feld gefunden zu haben. (Auch wieder was technisch-kreatives übrigens!) Aber da fand sich keine Stelle. Schade. Aber jetzt weiß ich, in welchem Feld ich weiterdenken will.

Das Mai-Blog-Projekt, Tag 28, Ratlos

Heute war ich bei der Berufsberatung, bzw. einem Coaching. Ich glaube, die Coachin hat sich ziemlich schwer getan mit mir. Mit meinem planlosen Lebenslauf, damit, dass ich vieles gemacht habe, aber nichts besonders intensiv. Ich kann ein bisschen unterrichten, kann so viel EDV wie ich für mich brauche, kenne mich mit verschiedenen Themen ein bisschen aus, interessiere mich für vieles, habe aber nichts wirklich durchdrungen. Ich bin Expertin für gar nichts, Fachfrau nur für ein Leben in Planlosigkeit. Dafür, trotz vieler Krisen weiter zu machen oder zeitweise eben auch nicht.

Ich war heute teilweise sehr zurückhaltend, ich bin noch geprägt von Gesprächen im Arbeitsamt, wo es egal war, was ich kann, will oder bin. “Sie haben ja nichts anderes gemacht”, sagte der Jobvermittler und entsprechende Stellen bekam ich dann auch vorgeschlagen. Das ich diese Jobs nicht mehr wollte, egal. Dass ich diese Jobs nur wegen meiner Planlosigkeit angenommen habe, egal. Die Beraterin heute hatte den Finger sofort in dieser Wunde. Gut so.

Ich denke immer, das was mich interessiert, interessiert a) kaum einen anderen, b) kennen sich andere noch viel besser damit aus und c) kann ich es sowieso in keinen Job übersetzen. Von daher fand ich es schwierig, die Frage zu beantworten: “Wo soll es denn hingehen? Was ist Ihr Ziel?”

Es fällt mir generell schwer, anderen von dem zu erzählen, was mich so beschäftigt. Ich befürchte immer, dass meine Themen für andere einfach keine sind oder dass ich Unverständnis dafür bekomme. Immer dieses Gefühl, außen vor zu sein. Das muss ich auf jeden Fall mit der Beraterin besprechen.

 

 

 

Das Mai-Blog-Projekt, Tag 27, Heute nur kurz

Sonntag. Sonne. Sommer. Die Kinder waren mal wieder im Planschbecken, jetzt sind sie zufrieden getobt und gehen zum Nachbarskind in den Garten. Vorhin waren fünf Kinder in unserem Planschbecken, keine Ahnung wie sie sich da koordiniert haben.

Wie immer ist das Wochenende viel zu schnell rumgegangen, ab Montag beginnt die fünfte Woche vor den Ferien, bis zu unserem Urlaub ist es dann auch nicht mehr weit. Dann sind wir wieder am Meer, endlich. Einmal im Jahr muss es sein. Die Berge finde ich ja auch schön, aber nur am Meer gibt es diese spezielle Ruhe.

Morgen gehe ich zu einer Berufsberatung, mal sehen, ob sich aus meinem Lebenslauf noch etwas machen lässt. Ich muss auch noch der Rentenversicherung antworten, die wollen auch wissen, ob da noch Lücken zu füllen sind. Sind sie nicht. Und die Steuer ist auch noch nicht gemacht. Diese Erwachsenen-Pflichtaufgaben halt.

Heute weiß ich nicht so recht, wie es mir geht. Ich weiß noch nicht recht, was ich der Beraterin morgen sagen soll, wie ich ihr erklären soll, worum es mir geht. Im Grunde müsste man bei mir von null anfangen. Ganz von vorne. Aber manchmal weiß ich noch nicht mal, was ich auf die Frage antworten soll, was ich gut kann. Ich fühle mich total rausgeschossen aus diesem Thema Arbeiten. Vielleicht ist das ja ein guter Anfang. Morgen mehr.

Wie ich mich selbst retraditionalisierte

In der Diskussion um Gleichstellung innerhalb der Familie ist ja immer die Rede von der Retraditionalisierung, die eintritt, sobald Kinder geboren werden. In den meisten Fällen ist es immer noch die Frau, die zu Hause bleibt, der Mann nimmt seine zwei Vätermonate Elternzeit, mehr geht, leider, leider aus finanziellen Gründen nicht. Denn in den meisten Familien ist es immer noch die Frau, die weniger verdient. Und zack, lebt man plötzlich in einem Modell, dass man sich vor dem Kind/den Kindern so nicht vorgestellt hatte.

Bei uns ist das auch so. Ich habe immer weniger verdient als mein Mann. Während er seit seinem Studienende ohne Unterbrechung Vollzeit arbeitet, wechselte ich von einem schlecht bezahlten Teilzeitjob zum nächsten und war nirgendwo richtig glücklich. Nach der Geburt der ersten Tochter war ich zu Hause, mein Mann nahm Elternzeit mit 30 Stunden die Woche. Elterngeld gab es noch nicht. Nach der Geburt der zweiten Tochter war ich zu Hause, bekam dieses Mal Elterngeld, mein Mann nahm keine Elternzeit mehr. Fairerweise muss ich aber sagen, dass er trotz voller Stelle sehr angenehme Arbeitszeiten hat, er ist gegen 17 Uhr zu Hause, freitags sogar noch früher. Er ist wirklich keiner dieser Väter, die ihre Kinder unter der Woche nicht sehen, weil der Feierabend nach der Schlafenszeit der Kinder ist.

Das ich mit unserem Lebensmodell unzufrieden bin, liegt an mir.

Ich wollte immer Kinder, zwei, am liebsten zwei Mädchen. Die habe ich auch bekommen. Ich wollte immer Kinder und zwar so sehr, dass ich diesem Kinderwunsch meinen Beruf untergeordnet habe. Ich bin nur halbherzig in den Job eingestiegen, denn, was ist, wenn ich schwanger werde? Ich habe mich nicht auf Vollzeitstellen beworben, denn Teilzeitstellen lassen sich besser mit Kindern vereinbaren. Ich wollte immer Kinder und auch deswegen habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht, was ich für mich eigentlich vom Berufsleben erwarte. In welchem Job wäre ich wirklich glücklich? Welcher Job würde mich wirklich fordern? Auf Jobs in der Wirtschaft habe ich mich nie beworben, denn da ist man als (werdende) Mutter ja eh ganz schnell außen vor, dachte ich. Ich habe bei kleinen Bildungsträgern gearbeitet, im öffentlichen Dienst und da war die Tatsache, dass ich Kinder bekomme und habe, auch nie ein Problem. Ich brachte die Kinder in die Betreuung, fuhr zu meinem Job, fuhr wieder zurück, holte die Kinder ab. Und am nächsten Tag dasselbe. Ich habe die Morgende gehasst, wegen der Hetzerei. Ich habe mich nicht auf meine Jobs gefreut, keiner war wirklich schlimm, aber keiner hat mich zufrieden gestellt. Es waren nicht meine Jobs. Ich war nicht ich in diesen Jobs. Ich habe mich eingequetscht gefühlt in ein Zeitschema, dass sich nach den Kindern richtete. Und meinen Mann beneidet, der aus dem Haus gehen konnte und sich nur um sich kümmern musste.

Ich kann keinem einen Vorwurf machen. Ich mache auch mir keinen Vorwurf. Aber ich weiß, dass ich nicht so weitermachen will.

Ich will auf keinen Fall wieder in einen Job wie bisher zurück. Ich kann mir aber einen Vollzeitjob auch nicht vorstellen. Das wäre ja noch mehr Hetzerei. Vielleicht wäre die Hetzerei es mir wert, wenn ich endlich mal einen Job hätte, der mir so richtig Spaß macht? Aber so ein Job scheint mir im Moment weit außer meinen Möglichkeiten. Im Moment bin ich einfach sehr skeptisch, was das ganze Thema Vereinbarkeit angeht. Ich habe dann immer den Spruch im Kopf: „Da gibt es nichts zu vereinbaren, nur etwas zu addieren.“ Und ich stehe dieser Entwicklung auch sehr skeptisch gegenüber, dass Frauen inzwischen auch Karriere machen wollen sollen. Aber ich bin auch keine Hausfrau.

So viel Skepsis. Und gleichzeitig erlebe ich, das Frauen mit drei Kindern wieder in den Job einsteigen. Das Mütter nach einem Jahr Vollzeit arbeiten. Dass sie es einfach tun und es in Ordnung ist. Und ich dachte immer, ich sei so fortschrittlich.

PS: Dass mein Berufsleben bisher so chaotisch war, hat natürlich nicht nur mit meinen Kindern zu tun. Da spielen noch ganz andere Themen mit hinein, die ich aber hier auslasse. Aber ich bin gerade über mich überrascht bis erschrocken, weil ich nach außen das eine vertrete und doch das andere tue