Rudern

Rudern

Noch ein Beitrag aus meinem alten Blog:

Rudern ist ein Sport, mit dem ich schon länger geliebäugelt habe. Bisher hatte ich mich wegen meines Übergewichts nicht getraut, befürchtete zu schwer zu sein. Heute weiß ich, dass das kein Grund gewesen wäre. Einige der Männer mit denen ich rudere sind bestimmt in der Gewichtsklasse, in der ich bis zum letzten Sommer war. Aber sie sind fit und ich war es nicht. Von daher ist es schon gut, dass ich erst jetzt damit angefangen habe.

Mit dem Rudern habe ich immer die Kombination aus Ruhe und Kraft verbunden, dazu das Draußen sein. Jetzt, nach vier Terminen kann ich sagen, dass das stimmt. Aber Rudern als Sport hat nichts mit dem Rudern eines Bötchens zu tun, wie man es im Palmengarten oder sonstwo ausleihen kann. Es gibt so viel zu beachten:

  • Den Schlag halten, also Ruderbewegung synchron mit den anderen machen. Beim ersten Mal habe ich meinen Vordermann zum Wahnsinn getrieben, weil ich ihm ständig in die Quere kam. Zum Glück sagte der Trainer, das sei beim ersten Mal normal.
  • Die richtige Handhaltung. Die Skulls – so heißen die Ruder wenn man zwei gleichzeitig benutzt, im Unterschied zu dem Riemen, wenn es nur einer ist – ganz am Ende anfassen, den Daumen außen auf die Spitze gelegt. Wenn die Skulls nach vorne gehen, die Hand öffnen, wenn man sie zurück zieht, die Finger zu Haken formen.
  • Die Skulls richtig drehen, waagerecht bei der Schwebephase, senkrecht beim Weg durchs Wasser und das ganze selbstverständlich ebenfalls synchron.
  • Die richtigen Körperbewegungen: Ich arbeite immer noch daran, zuerst den Rücken gerade zu machen, bevor ich die Skulls mit den Armen nach hinten ziehe.

Und dann muss man auch noch richtig ablegen, Kurven fahren, rückwärts fahren, seitwärts fahren, Kurven und Wenden fahren, das Boot anhalten und zuletzt auch wieder richtig anlegen. Rudern macht es einem nicht leicht, erst recht, weil alles verkehrt herum ist. Aus der Position der Ruderer ist Steuerbord links und Backbord rechts. Nach dem Kommando “Alles vorwärts” fährt man selbst rückwärts, nur das Boot fährt vorwärts. Für alles gibt es Kommandos, die irgendwann auf Abruf umgesetzt werden sollen. Und was für Vorfahrtsregeln gelten eigentlich auf dem Wasser? Wie geht man mit den Wellen um, die die großen Pötte auf dem Main produzieren? Und: bei Wind ist es richtig anstrengend.

Aber wenn es klappt, ist es wunderbar. Dann hat es etwas von Meditation in Bewegung. Den Blick auf den Rücken des Vordermanns, gemeinsam vor- und zurückrollen. Den Rhythmus der Bewegung im Kopf mitgehen, das Klacken der Skulls in ihren Befestigungen, das Rollen der Sitze, das Geräusch der Skulls beim Eintauchen ins Wasser hören. Das Glitzern der Sonne auf dem Wasser. Und einmal abends einen schon kitschig perfekten Sonnenuntergang hinter den Hochhäusern. Davon will ich mehr.

Langsam werden die Strecken länger, die wir ohne Unterbrechung schaffen und langsam merke ich, dass Rudern ein Sport ist. Wenn ich aus dem Boot aussteige, tun mir die rückwärtigen Oberschenkel weh, der Hintern, die Muskeln seitlich an den Hüften, die Schultern und natürlich die Bauchmuskeln. Da fühle ich mich richtig straff.

Aber das Training ist erst vorbei, wenn das schwere Boot aus dem Wasser gehievt wurde, wenn das Mainwasser abgewaschen wurde und das Boot in seinem Fach im Lager verstaut ist. Wenn die Skulls aufgehängt sind. Dann können wir gehen. Und ich freue mich aufs nächste Mal.

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