Eine Schüssel voller Kirschen

Jetzt nehmen die uns schon die Kirschen weg!

Unser Viertel ist für uns so etwas wie ein öffentlicher Garten, es gibt hier viele Obstbäume und -sträucher auf öffentlichem Grund und wir ernten da gerne etwas für den eigenen Bedarf: Holunderblüten und -beeren, Brombeeren, Äpfel, Birnen, Walnüssse und momentan Kirschen. Heute morgen zogen mein Mann und ich los, mit Leiter, Pflücker und Korb an eine Stelle, an der mehrere Bäume hintereinander stehen. Immer zwei Bäume voraus pflückten noch zwei andere, die hatten keine Leiter sondern kletterten auf die Bäume.

Irgendwann kam ein Ehepaar vorbei mit zwei Hunden. Wir amüsierten uns zunächst etwas, weil der eine der beiden Hunde Helga hieß. Dann aber war es nicht mehr so lustig. Der Mann sah uns und legte los: “Das ist doch nicht normal, da den ganzen Baum leer zu pflücken!” Mein Mann antwortete, er könne ja selbst auch jederzeit Kirschen pflücken gehen. “Wie kann man da den ganzen Baum leerpflücken, und für die anderen nichts übrig lassen!!” So ging es eine Weile hin und her. Das Paar ging dann weiter, er zeterte und meckerte immer noch. Als sie etwa 100 m weg waren, merkte ich, dass er uns fotografierte.

Wir haben dann fertig gepflückt und uns auf den Heimweg gemacht. War ja klar, dass wir dem Typen direkt noch mal begegneten. Ich konnte mir nicht verkneifen zu sagen, wenn er freundlicher gewesen wäre, hätten wir ihm auch Kirschen abgeben. “Danke, aber ich kann mir meine Kirschen selbst kaufen.” Dann drohte er noch damit, die Fotos – die er ohne unsere Einwilligung gemacht hatte – an die Zeitung zu geben. Mein Mann  – er ist Journalist – gab ihm dann noch eine kurze Einführung ins Presserecht. “Sie sind Journalist??” war die Antwort und der Schlagabtausch beendet.

Was ist nur mit solchen Menschen los? Wie kann man wildfremde Menschen so attackieren? Und wieso löst die Tatsache, das wir da Kirschen pflücken, bei ihm das Gefühl aus, ihm würde etwas weggenommen? Das finde ich das interessanteste an der ganzen Situation. Es ging nicht darum, ob es legal ist, dort Kirschen zu pflücken. Es ging ihm auch nicht um die anderen Beiden zwei Bäume voraus. Ich vermute, die Tatsache, dass wir eine Leiter und einen Pflücker dabei hatten, hat es für ihn zu organisiert, zu systematisch aussehen lassen. Später hat er ja dann versucht, uns als Asipack darzustellen, als wären wir so arm, dass wir Kirschen pflücken müssen, weil wir sie uns nicht leisten können. Die Tatsache, dass mein Mann Journalist ist, hat vermutlich sein Weltbild arg ins Wanken gebracht.

Jedenfalls war das das perfekte Beispiel für den Spruch “Was Hans über Grete sagt, sagt mehr über Hans als über Grete!” Er hat sich uns als ein Mensch gezeigt, der vermutlich glaubt, zu kurz gekommen zu sein. Dem mehr zusteht. Der es nicht aushält, dass andere das einfach machen, Kirschen pflücken, sich das nehmen, was sie wollen. Dass da so viel Neid und Missgunst ist, dass sie förmlich überschwappen, nur weil er zwei Menschen Kirschen pflücken sieht. Dass er wahrscheinlich kein glücklicher Mensch ist. Alles nur Spekulation, klar. Aber er hat uns ungewollt etwas über sich verraten, hatte schlicht nicht mehr im Griff, was er anderen von sich zeigt. Er hat das Bild festgelegt, dass ich jetzt von ihm habe. Schade. Ich hätte lieber von ihm erfahren, warum er seinen Hund Helga genannt hat.

Projekt vom glücklichen Leben: Wie man andere glücklich macht

Für diesen Blog habe ich mir als nächstes Projekt das Thema Glück vorgenommen. Was ist das eigentlich und wie erreicht man es. Für mich selbst lese ich ja gerade das Buch von Emma Seppala, The Happiness Track. In diesem Buch spricht sie sich für ein neues Verständnis von Erfolg und Glück aus und gibt Tipps, wie man sich relativ einfach ein glücklicheres und entspannteres Leben schaffen kann. Wenn ich damit fertig bin, werde ich das Buch hier ausführlicher vorstellen.

Vor einigen Tagen hat sich aber durch Zufall ein wunderbarer Einstieg in das Thema ergeben:

Ich lese meiner Kleinen gerade die Bullerbü-Geschichten von Astrid Lindgren vor. Eine der Geschichten heißt “Inga und ich machen Menschen glücklich”.

“Als wir im Herbst wieder mit der Schule angefangen hatten, sagte die Lehrerin eines Tages, wir sollten uns immer bemühen, andere Menschen glücklich zu machen. Niemals aber sollte man etwas tun, wovon Menschen unglücklich werden könnten.
Am Nachmittag saßen Inga und ich auf unserer Küchentreppe und sprachen darüber. Und da beschlossen wir, sofort damit anzufangen, Menschen glücklich zu machen. Das Schlimme war nur, wir wußten nicht genau, wie wir es anstellen sollten. Wir wollten es daher erst einmal mit Agda, unserem Hausmädchen, versuchen.”

Allerdings ergeben sich ungeahnte Schwierigkeiten: Agda will einfach nur in Ruhe gelassen werden, weil sie putzen will. Lisas Mutter ist schon glücklich und will gar nicht glücklicher werden. Den Großvater macht alleine die Tatsache, dass die Mädchen ihn besuchen, glücklich. Er lässt sich von den Mädchen zu einem Spaziergang überreden, der ihn allerdings so erschöpft, dass er danach sofort ins Bett muss. Die kranke Kristin im Waldhaus hätte sich mehr über einen Korb voller Essen gefreut als über die vielen langen Lieder, die Inga und Lisa ihr vorsingen. Oskar der Knecht kann mit dem Blumenstrauß, den ihm die beiden schenken, auch so gar nichts anfangen. Und das gutgemeinte Gespräch mit dem Besucher, der Lisas Vater ein Schwein abkaufen will, geht auch gründlich schief. Die beiden beenden frustriert ihr Vorhaben.

“(Aber) am nächsten Tag erzählte die Lehrerin, ein Mädchen aus unserer Klasse, die Märta hieß (…) sei sehr krank und müsse viele, viele Monate im Bett liegen bleiben. Abends, bevor ich einschlief, mußte ich immer an Märta denken. Und da beschloß ich, ihr Bella, meine beste Puppe zu schenken, denn ich wußte, Märta hatte überhaupt keine Spielsachen.”

Inga beschließt daraufhin, Märta ihr schönstes Märchenbuch zu schenken. Und endlich gelingt das Vorhaben:

“Niemals habe ich einen Menschen so glücklich werden sehen, wie Märta es wurde, als wir Bella und das Märchenbuch auf ihre Bettdecke legten und sagten, Bella und das Märchenbuch seien für sie.”

Es ist schon ein paar Tage her, dass ich dieses Kapitel vorgelesen habe, aber es geht mir nicht aus dem Kopf. Weil es eine kleine, sehr kluge Lektion darüber ist, wie das Glück und das glücklich machen funktionieren. Glück ist nicht planbar. Davon auszugehen, man wisse, was andere brauchen ist ein Fehler, auch wenn die Absichten dahinter gut sind. Und selbst gutgemeinte Fragen nützen nichts, wenn man die Antwort nicht ernst nimmt: Großvater sagt sogar, es würde ihn glücklich machen, wenn Inga und Lisa ihm wie immer aus der Zeitung vorlesen, aber den Mädchen ist das zu wenig, nichts besonderes, also drängen sie dem alten Mann den Spaziergang auf, weil er ja immer in seinem Zimmer sitzt.

Märta können sie hingegen glücklich machen, endlich. Vielleicht, weil Inga und Lisa sich als Kinder besser in ein anderes Kind einfühlen können als in die Erwachsenen. Aber vor allem, weil sie ihr Vorhaben in diesem Moment vergessen haben. Sie handeln nicht mehr planvoll, sondern aus ehrlichem Mitgefühl heraus. Sie stellen Märta in den Vordergrund nicht sich selbst und sind selbst ganz überrascht darüber, was ihnen gelungen ist:

“Als wir wieder draußen vor der Tür standen, sagte ich zu Inga: “Ja aber – jetzt haben wir einen Menschen glücklich gemacht, ohne daß wir es wollten!””

 

Nach der Meditation

Ich habe gerade meditiert. 15 Minuten, immerhin. Manchmal geht es auch länger, ich setze mir da kein Limit. Ich habe mir vorgenommen, ein Jahr lang täglich zu meditieren. Ja, das ist lang. Aber ich bin sicher, dass es mir gut tun wird. Tut es ja jetzt schon, nach den paar Wochen, seit ich das Meditieren für mich (wieder-)entdeckt habe. Beim Meditieren sitze ich auf einem Hocker, damit der Rücken frei ist und ich mich gut aufrichten kann. Ich habe es auch auf einem Meditationskissen probiert, aber da geht zu viel Aufmerksamkeit an meine einschlafenden Beine verloren und so richtig bequem kann ich weder im Schneidersitz noch im Knien sitzen. Ich schließe die Augen, lege die Hände auf den Oberschenkeln ab, lasse meinen Körper zur Ruhe kommen, beobachte meinen Atem. Beobachte mich selbst, wie ich mich fühle, was ich denke. Nur beobachten, nichts festhalten. Manchmal sind auch Sätze in meinem Kopf, die ich dann immer wieder wiederhole. Das mache ich so lange, wie ich diesen Zustand halten kann. Dann öffne ich die Augen und bleibe noch einen Moment sitzen.

Es ist auch etwas egoistisches an der Meditation, sich so ganz in sich zurück zu ziehen, die Umwelt auszublenden. Aber sie ist etwas, das mir schnell Ruhe verschafft, etwas, für das ich jeden Tag Zeit abzwacken kann und wenn es nur 15 Minuten sind. Die habe ich immer irgendwann am Tag zur Verfügung. Ich habe jetzt schon das Gefühl, fokussierter zu sein, irgendwie geordneter, nicht mehr so sprunghaft. Das tut mir gut. Und damit auch den anderen um mich rum.

Meditation ist also etwas, das ich auf jeden Fall in meinem Leben behalten will.

Ansonsten beschäftigt mich das eigentlich sehr alte Thema: Ich wollte nie das, was alle wollen, aber habe mich nie getraut dazu zu stehen. In der Schule habe ich mir selbst Hosen genäht, bunte Dinger aus einem einfachen Schnitt. Ich wollte weder Popper noch Punk sein. Ich habe mich nie für das typische Mädchen-Sein interessiert, ich bin noch nie gern shoppen gegangen, Makeup interessiert mich bis heute nicht genau wie diese typischen Teenie-Gespräche. Heute kann ich mit den typischen Müttergespräche nichts anfangen. OK, bei der Musik war ich Mainstream, George Michael mein erster Schwarm und von Wham! kannte ich alle Lieder auswendig. Aber dann habe ich wiederum schon mit elf “1984” von George Orwell gelesen, das war übrigens wirklich im Jahr 1984. Später dann der Mädchentreff, der Feminismus in Form der Bücher von Gerd Brantenberg (das ist eine Frau!) und Rita Mae Brown. Aber da gab es auch schon zwei parallele Welten, ich hätte in der Schule nie, nie, nie davon erzählt.

Ich fand die Schule insgesamt oberflächlich, wie auch das Studium später. Ein häufiger Satz in der Oberstufe war: “Ich gebe Ihnen mal 12 Punkte, aber ich glaube, da wäre noch mehr drin!” Ich bin durch die Schule und auch durch weite Teile des Studiums gekommen, ohne mehr als das Allernötigste zu tun. Erst für die Diplomarbeit und das Examen habe ich mich auf den Hosenboden gesetzt. Habe mich das erste Mal gefordert gefühlt. In meinen Jobs danach dann wieder nicht mehr.

Und in der ganzen Zeit war da nie Raum für die Frage: “Was will ich?”

Ich wüsste auch nicht, dass mich das mal jemand anderes gefragt hätte. In der Oberstufe waren wir beim Berufsinformationszentrum, aber da kam auch nichts bei rum. Zwischenzeitlich fand ich Musikinstrumentenbau spannend, in den Jahren davor auch Tontechnik und Kamerafrau. Alles Ausbildungsberufe, alle sowohl technisch als auch kreativ. Die Kombination, die mich eigentlich bis heute am meisten interessiert. Auch beim Bloggen übrigens. Studiert habe ich dann was sozialwissenschaftliches. Finde den Fehler! Nein, ich fand mein Studium spannend. Und eine kurze Zeit hatte ich geglaubt, mit dem E-Learning mein Feld gefunden zu haben. (Auch wieder was technisch-kreatives übrigens!) Aber da fand sich keine Stelle. Schade. Aber jetzt weiß ich, in welchem Feld ich weiterdenken will.

Das Mai-Blog-Projekt, Tag 30, Letzter Tag

So, bevor es Mitternacht wird, noch schnell den letzten Beitrag meines Mai-Blog-Projektes. Was ist mein Fazit?

Es war auf jeden Fall gut, es gemacht zu haben, zu merken, im Großen und Ganzen klappt es jeden Tag zu schreiben. Aber es nimmt Zeit in Anspruch und, noch gravierender, das Bloggen droht zu einer Verpflichtung zu werden, zu einem Punkt auf der To-do-Liste. Und das wäre schade.

Von daher werde ich das tägliche Schreiben nicht fortsetzen. Ich möchte mich​ lieber intensiver mit einem Thema beschäftigen und dann auch was längeres und fundierteres dazu schreiben.

Und ich möchte diesen Blog zu so etwas wie einen Schaukasten machen. Da rein will ich stellen, womit ich mich beschäftige, was ich gelesen, gesehen, gehört habe. Im Moment wird es dabei kein festes Thema geben, ich möchte die Bandbreite absichtlich groß lassen. Vielleicht ergibt sich nach und nach das Thema für den Blog. Und wenn nicht ist es auch gut.

Das Mai-Blog-Projekt, Tag 29, Wer bin ich?

Seit ich gestern beim Coaching so sprach-los war, denkt es aber umso heftiger bei mir weiter. Was war der Grund, dass ich die Fragen der Beraterin gestern so schlecht beantworten konnte? Genauer gesagt, warum kann ich es für mich alleine eigentlich ganz gut beantworten, was ich gerne mache, was mir liegt. Aber wenn ich das jemand anderem erklären soll, so von Angesicht zu Angesicht, werde ich entweder unsicher und ängstlich oder ich sage erst gar nichts. Dann traue ich mich nicht mehr. Dann denke ich, dass das doch alles sowieso nur Blödsinn ist. Nichts wert. Lächerlich. Erwarte Widerspruch und Kritik und fühle mich dann außerstande sie zu kontern. Mit Selbstbewusstsein. Ohne Rumgedruckse.

Also, was macht mich aus? Ich bin interessiert an ziemlich allem: Ich habe Bücher gelesen unter anderem zur Geschichte der Naturwissenschaften und des privaten Zuhauses, beide von Bill Bryson, über Glück und den Zufall, über Logik und Mathematik, über den Buddhismus. Ich lese gerne Krimis, aber auch Romane und Gedichte. Aktuell lese ich meiner großen Tochter das Buch Anders von Andreas Steinhöfel vor. Von seinen Rico- und Oskar-Büchern habe ich ja hier auch schon geschwärmt. Ich habe schon immer gern gelesen, schon am Ende der ersten Klasse ganze Bücher. Wir lesen beiden Kindern jeden Abend vor. Ich schreibe gerne. (Ach nee…) Auch schon seit ich Kind war. Ich liebe diese spezielle Art der Konzentration und Versenkung, die beim Lesen und Schreiben entsteht.

Gerade heute habe ich eine wunderbare Dokumentation über Empathie und Altruismus gesehen. Ich liebe die Sendung von Anthony Bourdain, die im Englischen den viel treffenderen Titel Parts Unknown hat. Auf Deutsch heißt sie Kulinarische Abenteuer, aber ums Essen geht es dort nur unter Anderem. Wenn er nach Massachusets fährt, dann geht es nicht um die Schönheit der Ostküste sondern um das Heroinproblem der dortigen weißen Mittelschicht und ums Essen, in der Reihenfolge. Ich bin ein Fan der Serie The Good Wife. Es gibt Folgen, die sind so gut, da liege ich innerlich auf den Knien vor Bewunderung. Wie bei Folge 6:14, in der Alicia, die als Staatsanwältin kandidiert, ein Interview geben soll. Leider ist sie heiser und muss ihre Stimme schonen. Die Folge heißt passenderweise Kopfkino, denn man hört sie in der ganzen Folge kaum sprechen und die Aufgabe Bilder dafür zu finden, was sich alles in ihrem Kopf abspielt haben die Macher großartig gelöst.

Ich bin gerne draußen unterwegs, zu Fuß mit dem Rad, seit neuestem ja auch im Ruderboot und schreibe darüber in meinem anderen Blog. Wenn ich einen Vogel sehe, den ich nicht kenne, schaue ich in meinem Bestimmungsbuch nach, welcher es ist. Ich habe angefangen, online den Kurs über Grundlagen der Computerwissenschaften des MIT anzusschauen. Ich habe Orientalischen Tanz gemacht und Yoga, singe in einem Chor, hatte zeitweise Gesangsunterricht. Ich kann mich in Orte verlieben, in Räume.

Ich treibe mich seit Jahren im Internet und auf Twitter rum. An Twitter finde ich toll, dass ich dort etwas über Themen erfahre, mit denen ich mich sonst nicht befassen würde, wie z.B. die Tatsache, dass die Inuit dreidimensionale Landkarten hatten/haben. Ich habe für mich dort den Feminismus wieder entdeckt. Als Teenager war ich Stammgast in einem Mädchentreff und habe auch Bücher wie Die Töchter der Egalia gelesen, in dem die herkömmlichen Geschlechterrollen ins Gegenteil verkehrt werden. Heute geht es mir mehr um den feministischen Sicht auf Familie. Ich finde unseren Umgang mit dem Thema Familie ziemlich verbesserungsbedürftig, weil ich finde, dass viel zu viele Erwartungen auf einem System aus meistens drei bis vier Personen liegen. Und immer noch vor allem auf den Müttern. Von daher lese ich auch sehr gerne Elternblogs, auch wenn ich selbst keinen Elternblog betreiben will.

Ich habe Pädagogik studiert, weil mich die Bandbreite des Faches interessiert hat, weil neben Pädagogik auch Soziologie und Psychologie Fächer waren, weil es eine riesige Bandbreite an Schwerpunkten und Wahlpflichtfächern gab von der Wirtschaft bis hin zur Sprachheilpädagogik. Weil ich etwas über den Menschen und sein Verhalten lernen wollte. Allerdings ging es mir nicht darum, mit diesem Wissen anderen zu helfen, aber in genau solchen Jobs bin ich dann gelandet. Ich bin aber keine Sozialpädagogin, das meine ich nicht verächtlich, aber ich habe so überhaupt keinen Helferkomplex. Im Grunde bin ich eine ewig Lernende. Im Nachhinein war die intensivste und erkenntnisreichste Zeit meines Lebens die Zeit in der ich meine Diplomarbeit geschrieben habe. Von der Arbeitsweise hätte ich schon an die Uni gepasst, aber ich habe mich von den Eitelkeiten dort abschrecken lassen.

Wenn es so etwas wie einen roten Faden in all dem gibt, dann ist es vielleicht so etwas wie ein generelles Verstehen wollen, insbesondere darüber wie sich Menschen verhalten, wie sie die Welt sehen und was Menschen über Menschen sagen. Und dass die uns gewohnte Art die Welt zu sehen, nur eine mögliche ist. Es geht immer auch anders. Davon bin ich überzeugt.

Und wie kriege ich das jetzt in einen Job?

Das Mai-Blog-Projekt, Tag 28, Ratlos

Heute war ich bei der Berufsberatung, bzw. einem Coaching. Ich glaube, die Coachin hat sich ziemlich schwer getan mit mir. Mit meinem planlosen Lebenslauf, damit, dass ich vieles gemacht habe, aber nichts besonders intensiv. Ich kann ein bisschen unterrichten, kann so viel EDV wie ich für mich brauche, kenne mich mit verschiedenen Themen ein bisschen aus, interessiere mich für vieles, habe aber nichts wirklich durchdrungen. Ich bin Expertin für gar nichts, Fachfrau nur für ein Leben in Planlosigkeit. Dafür, trotz vieler Krisen weiter zu machen oder zeitweise eben auch nicht.

Ich war heute teilweise sehr zurückhaltend, ich bin noch geprägt von Gesprächen im Arbeitsamt, wo es egal war, was ich kann, will oder bin. “Sie haben ja nichts anderes gemacht”, sagte der Jobvermittler und entsprechende Stellen bekam ich dann auch vorgeschlagen. Das ich diese Jobs nicht mehr wollte, egal. Dass ich diese Jobs nur wegen meiner Planlosigkeit angenommen habe, egal. Die Beraterin heute hatte den Finger sofort in dieser Wunde. Gut so.

Ich denke immer, das was mich interessiert, interessiert a) kaum einen anderen, b) kennen sich andere noch viel besser damit aus und c) kann ich es sowieso in keinen Job übersetzen. Von daher fand ich es schwierig, die Frage zu beantworten: “Wo soll es denn hingehen? Was ist Ihr Ziel?”

Es fällt mir generell schwer, anderen von dem zu erzählen, was mich so beschäftigt. Ich befürchte immer, dass meine Themen für andere einfach keine sind oder dass ich Unverständnis dafür bekomme. Immer dieses Gefühl, außen vor zu sein. Das muss ich auf jeden Fall mit der Beraterin besprechen.

 

 

 

Das Mai-Blog-Projekt, Tag 27, Heute nur kurz

Sonntag. Sonne. Sommer. Die Kinder waren mal wieder im Planschbecken, jetzt sind sie zufrieden getobt und gehen zum Nachbarskind in den Garten. Vorhin waren fünf Kinder in unserem Planschbecken, keine Ahnung wie sie sich da koordiniert haben.

Wie immer ist das Wochenende viel zu schnell rumgegangen, ab Montag beginnt die fünfte Woche vor den Ferien, bis zu unserem Urlaub ist es dann auch nicht mehr weit. Dann sind wir wieder am Meer, endlich. Einmal im Jahr muss es sein. Die Berge finde ich ja auch schön, aber nur am Meer gibt es diese spezielle Ruhe.

Morgen gehe ich zu einer Berufsberatung, mal sehen, ob sich aus meinem Lebenslauf noch etwas machen lässt. Ich muss auch noch der Rentenversicherung antworten, die wollen auch wissen, ob da noch Lücken zu füllen sind. Sind sie nicht. Und die Steuer ist auch noch nicht gemacht. Diese Erwachsenen-Pflichtaufgaben halt.

Heute weiß ich nicht so recht, wie es mir geht. Ich weiß noch nicht recht, was ich der Beraterin morgen sagen soll, wie ich ihr erklären soll, worum es mir geht. Im Grunde müsste man bei mir von null anfangen. Ganz von vorne. Aber manchmal weiß ich noch nicht mal, was ich auf die Frage antworten soll, was ich gut kann. Ich fühle mich total rausgeschossen aus diesem Thema Arbeiten. Vielleicht ist das ja ein guter Anfang. Morgen mehr.

Unsere Rosen im Gärtchen

Das Mai-Blog-Projekt, Tag 26, Mein Gärtchen und ich

Es ist wieder warm heute. Wir haben den Kindern das Planschbecken aufgepustet und sie tobten den ganzen Nachmittag darin herum. Unser Gärtchen ist so winzig, dass das Planschbecken große Teile unserer Rasenfläche einnmimmt. Ein großer Teil wird vom Schuppen eingenommen, dann kommt auch schon die Terasse, auf der wir bei diesem Wetter gerne sitzen. Unser Garten ist trotz der kleinen Fläche reich bepflanzt. Wir haben Johannisbeeren – rote und schwarze, zwei Säulenkirschen, die uns dieses Jahr aber kein Ernte bescheren werden, verschiedene Kräuter, Rosen, Lavendel.

Oben haben wir auch noch eine Terasse, da haben wir Erdbeeren, Olivenbäume, Preiselbeeren und verschiedene Blumen. Auf der Terasse oben sind wir allerdings fast nie. Obwohl man dort eingentlich auch schön sitzt, sogar geschützter als unten. Und wir haben eine Hängematte! Auch die kommt allerdings wenig zum Einsatz. Vielleicht auch deswegen weil sie oben ist. Aber unten ist kein Platz.

Tierischer Besuch im Gärtchen

Ich behaupte mal unser Garten ist der in unserer  direkten Nachbarschaft in den die meisten Vögel kommen. Wir haben zwei Futterstellen, die wir auch außerhalb des Winters befüllen und gerade eben habe ich in die obere Schale unseres Feuerkorbs Wasser gefüllt, als Vogelbad und Tränke. Zu uns kommen Blaumeisen und Kohlmeisen, Rotkehlchen, Amseln und Elstern. Die Amseln und die Elstern sind allerdings schon zu groß für die Futterstelle, was sie nicht daran hindert, doch mal einen Versuch zu starten, ob man an dieses Futter nicht doch irgendwie rankommt. Ab und zu mal kommt ein Zaunkönig. Die sind so winzig, ein Rotkehlchen ist riesig dagegen. Die Ringeltauben machen sich im Moment wieder etwas rarer, vielleicht ist die Brut für dieses Jahr schon durch.

In der Umgebung haben wir auch noch Bachstelzen und Mönchsgrasmücken gesehen. Auf den Feldern unseres Viertels gibt es Rotmilane und eine andere Raubvogelart, die ich nicht kenne. Auf unserem Nachbarhaus sitzen manchmal Turmfalken und schreien gerade im Frühling in einer Lautstärke, die ich ihnen gar nicht zugetraut hätte. Und im Herbst kommen die Kraniche. Die Route nach Süden geht über unsere Häuser. Wir hören sie bevor wir sie sehen, auch wenn wir drinnen sind und stürzen vor die Tür, um nach dem großen Keil am Himmel zu suchen. Ich kriege dann immer akutes Fernweh.

Landleben in der Großstadt

Und das alles in einer Großstadt. Gut, eher am Rand, aber dennoch. Ich finde das wunderbar, mir würde ohne unser winziges Gärtchen mit dem Grün und den Vögeln inzwischen wirklich etwas fehlen. Ich lebe gerne in der Stadt aber in mir steckt doch ein ziemliches Landei. Ich liebe den weiten Blick, den wir hier im Viertel auf den Feldberg haben. Wenn wir spazieren gehen, können wir Pferde streicheln. Auch das will ich nicht mehr missen.

PS: Ich hätte euch gerne noch mein Lieblingstier vorgestellt, Stummelchen, eine Elster mit zu kurzen Schwanzfedern. Wir kennen sie schon lange, die Federn wachsen nicht (mehr). Im Moment ist sie oft bei uns im Gärtchen auf der Suche nach Futter. Von der Kleinen standen noch Plastikbecher da mit Wasser drin. Jetzt wissen wir, das Elstern aus Plastikbechern trinken können. Leider wollte sie sich noch nicht fotografieren lassen.

An der Nidda von Berkersheim nach Eschersheim

Der alte Flugplatz in Frankfurt-Bonames
Der alte Flugplatz
Drei Schildkröten auf einem Ast
Wo sind die Schildkröten?
3 von 4 Spaziergängern
3 von 4 Spaziergängern
Der Biergarten Drosselbart in Frankfurt-Eschersheim
Im Drosselbart

Am Feiertag an der Nidda unterwegs, heißt auf der Freizeitautobahn unterwegs zu sein. Die schmalen Wege an beiden Ufern sind dicht bevölkert mit Fußgängern, Familien auf dem Fahrrad, Sportradfahrern und konkret gestern mehr oder weniger betrunkenen Vatertagsausflüglern mit dem obligatorischen Bollerwagen. Irgendwie wirken sie nicht als hätten sie wirklich Spaß.

Frösche und Schildkröten

Ich mag die Nidda sehr gerne, diesen kleinen, etwas trägen Fluss. Ab und zu fließt ein kleiner Bach in sie hinein und immer wieder kommt ein Wehr, an dem das Wasser rauschend und schäumend abwärts fließt. Ich mag sie auch an Tagen wie gestern, auch wenn einige Radfahrer meinen das Recht auf mindestens 20 km/h zu haben und gerne in dritter Reihe überholen würden. Ich mag nicht, das kaum einer stehen bleibt – um mal die Frösche quaken zu hören. Und wer außer uns hat bitte die drei Schildkröten auf dem Ast im Wasser entdeckt? An und in der Nidda gibt es viele Tiere, die sonst nicht so alltäglich sind. Nutrias zum Beispiel. Oder Eisvögel. Mein Mann hat mal einen gesehen, an so belebten Tagen wie gestern hatten die sich aber verkrochen.

An dem Stück der Nidda, auf dem wir unterwegs waren gehen der Grüngürtelrundwanderweg und der Grüngürtelradweg entlang. Beide umkreisen auf leicht unterschiedlichen Routen das Frankfurter Stadtgebiet. Wir waren gestern von Berkersheim aus bis Eschersheim unterwegs. Wir sind mit der Buslinie 39 bis zur Endhaltestelle in Berkersheim gefahren. Von dort aus stößt man schnell auf den Grüngürtelradweg, der auch Fußgänger schnell bis ans Niddaufer geleitet. Dort angekommen biegt man links ab. Der Weg geht am Gelände eines Reiterhofes vorbei, dann geht man an Äckern und Wiesen vorbei. Links oben sieht man die Hochhäuser am Frankfurter Berg, rechts sieht man hinter dem Ortsteil Riedberg den Feldberg und den Taunus.

Weiter an der Nidda: Vom Alten Flugplatz…

Nach einer Weile kreuzt man die Homburger Landstraße, kurz danach kommt der Alte Flugplatz Bonames, der heute ein beliebtes Ausflugsziel ist. Man kann dort auf den Wiesen picknicken und auf der ehemaligen Start- und Landebahn inlinern. Leckeren Kaffee und Kuchen gibt es im Tower Café. Nur nach Voranmeldung kann man die Angebote der Naturschule Hessen aus den Bereichen Umweltbildung oder soziales Lernen nutzen. Es gibt Angebote für Schulklassen aber auch für Familien. Wir haben dort nur eine kleine Pause gemacht und sind dann weiterspaziert bis zum Ortsteil Eschersheim. Dort ist eines der Wehre, über das die Nidda fließt. Wir hatten immer wieder mal zwei Männer in einem kleinen Kanu überholt. Am Wehr mussten sie aussteigen. Über eine Treppe kann man Kanus am Wehr vorbeitragen und dahinter wieder ins Wasser setzen. Wir wollten dabei zuschauen, wie sie wieder einsteigen und ablegen, aber sie zogen es vor, in der Gastwirtschaft nebenan einzukehren.

… nach Eschersheim

Direkt am Wehr liegt auch das Freibad Eschersheim. Trotz der warmen Temperaturen war dort wenig los, vermutlich war das Wasser noch zu kalt. Kurz danach verlassen wir die Nidda, überqueren die S-Bahn-Strecke und kommen dann zum Biergarten Drosselbart. Dort sitzt man wunderbar schattig zwischen alten Kastanien. Dass die Biergartensaison vorbei ist, erkennt man dort gut – wenn einem nämlich die Kastanien ins Glas fallen. Die Preise sind OK, mein Hugo Rosé mit Erdbeeren war lecker. Ansonsten gibt es biergartentypische, hessische Küche – und für Fußballfans immer wieder Übertragungen auf den beiden großen Leinwänden im Garten. Von dort ist es nicht weit zur U-Bahn-Station Weißer Stein, von der aus wir dann nach Hause gefahren sind.

Wegstrecke: von Haltestelle bis zu Haltestelle sind es etwa 7 km

Dauer: Wir waren inklusive An- und Abfahrt und Pausen etwa drei Stunden unterwegs.