Lidia Yuknavitch

Lidia Yuknavitch: The Misfit’s Manifesto

Lidia Yuknavitch sagt über sich, sie sei ein Misfit. Ein Misfit zu sein ist für sie mehr, als Schwierigkeiten in einzelnen Bereichen zu haben oder durch schwere Zeiten gegangen zu sein. Misfits sind für sie Menschen, die keinen Weg gefunden haben, irgendwo hineinzupassen. Dass sie selbst ein Misfit wurde, liegt an den Erfahrungen, die sie in ihrem Leben machen musste, aber auch an etwas, dass einfach in ihr ist. Ihre Kindheit war geprägt von sexuellem Missbrauch und der Alkoholsucht ihrer Mutter. Ihr erstes Kind starb am Tag seiner Geburt, was sie jahrelang vollkommen aus der Bahn warf. Heute ist sie Schriftstellerin und unterrichtet an der Eastern Oregon University.

Linda Yuknavitch sieht Misfits nicht automatisch als die Gescheiterten, auch wenn es natürlich viele gibt, die scheitern, aufgeben oder sogar sterben. Misfits sind “der Rest von Euch”, die immer wieder vor ihren ganz eigenen Herausforderungen standen und deshalb ihre ganz eigenen Fähigkeiten entwickeln mussten. Worum es ihr in ihrem Buch geht, beschreibt sie folgendermaßen:

“We (the misfits) are differently sighted. We can see portals where other portals see roadblocks. Misfits are remarkably good at invention, reinvention. Innovation in the face of what other people might see as failure. We are resilient, we just don’t survive, we know how to thrive. (…) Put slightly differently, if we could all learn to see, what misfits see, that is, that so called vulnerabilities are actually beautiful new roads to creativity and social organisation, whe just might be able to begin to redefine who we are and how we treat another in a was that does not celebritize some people while disappearing others.”

“Wir (die Misfits) sind anders sehend. Wir sehen Durchgänge, wo andere nur Hindernisse sehen. Misfits sind bemerkenswert gut, wenn es um Innovation, Neuerfindung geht. Innovation angesichts dessen, was andere Menschen als Scheitern sehen könnten. Wir sind resilient, wir überleben nicht nur, wir wissen, wie wir gedeihen können. (…) Etwas anders ausgedrückt, wenn wir alle sehen könnten, was Misfits sehen, wäre es, das so genannte Schwächen im Grunde neue Wege zu Kreativität und sozialem Miteinander sind, wir müssten nur neu definieren, wer wir sind und wie wir einander so behandeln, dass nicht die einen gefeiert werden, während die anderen verschwinden.”

(Übersetzung von mir)

Ich fand ihr Buch sehr berührend, weil es diese andere Sichtweise sehr genau beschreibt,  nicht nur ihre eigene – in jedem Kapitel kommt noch eine andere Person mit ihrem Erfahrungsbericht zu Wort. Aber vor allem weil ich ihr darin zustimme, dass “die sozialen Skripte, die wir auf unserem Weg erworben haben, und die uns sagen, wer wir sein und wie wir uns einfügen sollen, Schwachsinn sind”.  Es könnte nicht schaden, auch mal den zuzuhören, die wir bisher ausgeblendet haben.

The Misfit’s Manifesto ist bis jetzt nur auf Englisch erhältlich als Paperback und E-Book. Es ist ein so genanntes TED-Book, das heißt es baut auf den TED-Talk von Lidia Yuknavitch auf, den sie im Februar 2016 gehalten hat. Der Talk ist eine gute Grundlage um zu verstehen, worum es ihr geht, obwohl ich ihn – vielleicht auch wegen der notwendigen Kürze – etwas pathetisch finde. Ich verlinke hier die Fassung mit deutschen Untertiteln.

 

 

 

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