Schifffbruch

Ein paar Gedanken über das Scheitern

Das ist ein Beitrag aus meinem alten Blog, der aber auch gut hierhinpasst:

Es ist 08:22, ich bin hundemüde. Die Nacht war sehr unruhig. Alle sind aus dem Haus, die Spülmaschine läuft. Die Baustelle lärmt auch schon. Meine Liste für heute ist lang, der tägliche Blogartikel steht auch drauf.

Gestern habe ich auf 3Sat die Sendung “Erfolgreich scheitern” gesehen. Es geht um das Scheitern im Beruf, das immer noch ein Tabu ist. Genauso wenig wie über Geld redet man über das Scheitern. Das Wort “Scheitern” gibt es seit etwa 200 Jahren und meint eigentlich das Zerschellen eines Schiffes und sein Zerbrechen in (Holz-)Scheite. Etwas zerbricht also, geht kaputt. Laut Theo Wehner, einem Wirtschaftspsychologen ist mit dem Wort Scheitern immer verbunden, etwas zu tun, das a) nicht im gesellschaftlichen Konsens ist und b) immer die Ursache in der einzelnen Person hat. Scheitern gehört sich also nicht und man ist immer selbst dran schuld. Inzwischen ist das Scheitern Thema geworden, es gibt viele Ratgeber dazu, viele davon in dem Sinne, dass das Scheitern nur eine Zwischenstation zum nächsten Erfolg ist. Dann ist es nämlich irgendwie doch OK. Oder man scheitert eben gleich erfolgreich, aber das klingt so, als könnte man sich das vornehmen. Irgendwann gibt es dann vielleicht sogar ein richtiges und ein falsches Scheitern. Leider werden in der Sendung keine Menschen gezeigt, für die das Scheitern das Ende der beruflichen Laufbahn war. Wären die dann sogar im Scheitern gescheitert? Und nur bei einer Person,  Kathrin Weßling Autorin des Buches “Drüberleben”, das Depressionen zum Thema hat, gibt es andere als ökonomische Gründe für das Scheitern. Sie ist diejenige, die von allen Befragten am authentischsten über ihr Scheitern berichtet – und dass sie das keinesfalls einen irgendwie erstrebenswerten Zustand findet.

Scheitern gibt es eben nicht nur bei denen mit Karriere. Scheitern gibt es auch bei kleinen Angestellten. Berufliches Scheitern könnte auch heißen, nie einen adäquaten Job zu finden oder gar nicht erst ins Berufsleben zu finden.

Aber vielleicht wäre das dann doch ein bisschen viel für eine Sendung.

 

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